Kyoto 京都

Vielen bekannt ist diese Stadt wohl durch Tagesschau und Heute Journal aufgrund des gleichnamigen Protokolls zum Klimaschutz. Auch wenn die Umsetzung des Abkommens historischen Charakter vermissen lässt, war zumindest der Ort der Verhandlungen historisch. Die ehemalige Hauptstadt Japans während der Heian Ära (平安時代) wurde von den Bombardements während des zweiten Weltkrieges aus Rücksicht vor der japanischen Kultur verschont und beheimatet daher noch viele historische buddhistische Tempel und Shinto-Schreine darunter 17 UNESCO Welterbestätte.

Mein Kurztrip nach Kyoto begann am Freitag Abend als ich mich im K’s Backpackers House einquartierte. Danke Beat für den Tipp. Nach einer langen Nacht in Kyoto mit Nic, einem Ami den ich im K’s House kennengelernt hab, gings früh morgens nach Higashiyama (東山) um die vielen Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Am Mittag schloss sich noch meine Kollegin Iga-san meiner Tour an. Sie studierte in Kyoto und konnte mir auch etwas Hintergrundinfos zu den Orten geben. Kyoto fühlt sich, besonders in den noch sehr gut erhaltenen Stadtvierteln Gion (祇園) an als würden gleich die Geisha (芸者) und Samurai (侍) aus der nächsten Haustüre kommen. Neben den vielen unechten Touri-Geisha an den Sehenswürdigkeiten gibt es jedoch noch professionell praktizierende Geisha in Kyoto. Und bei einem Spaziergang durch die Shimbasi-dori, einer Straße in Higashiyama, stieß mich Iga-san mit dem Ellenbogen an, zeigte mit dem Finger auf eine vorbeihuschende, traditionell gekleidete Dame und meinte “This is a real one!”.

Am Sonntag hab ich dann meine Erkundungstour in Arashiyama (嵐山) im Nordwesten der Stadt fortgesetzt, wo das wohl bekannteste Gebäude Kyotos (vielleicht sogar ganz Japans) steht, Kinkaku-ji (金閣寺), der “Goldene Tempel”. Auf meinem Weg in den Bambusgarten am Rand der Stadt hat der Stadtplan meines Reiseführers mir ein Schnippchen geschlagen und so fand ich mich nach einer verwirrenden Zugfahrt plötzlich mitten in den Bergen außerhalb der Stadt, wo es auch keiner mehr für nötig gehalten hat irgendwas ins Englische zu übersetzten. Dank der Hilfe zweier japanischer Wanderer fand ich jedoch wieder zurück in die Stadt und konnte meine Tour fortsetzten bevor es dann am späten Abend wieder zurück nach Kobe ging.

und weiter geht’s… nach Leiden!

Deutschland wird mich wohl weiterhin nur in homöopathischen Dosen abbekommen. Der nächste große Wurf ist gelungen. Die Leiden Universität in den Niederlanden hat meine Bewerbung für gut befunden und mich in ein zweijähriges Master Studium aufgenommen, dass den schönen Namen “Bio-Pharmaceutical Sciences” trägt. Die Uni wurde 1575 gegründet und ist somit die Älteste in den Niederlanden und wurde zudem von mehreren Agenturen unter die Top 80 Unis weltweit gewählt. Sogar mein Ulmer Buddy Albert Einstein gehörte zu dieser Universität. Sie beheimatet in neun Fakultäten und 50 Instituten etwa 20 000 Studenten, was ungefähr 1/5 der Gesamtbevölkerung von Leiden ausmacht. Es ist also durch und durch eine Studentenstadt und wie mir von mehreren Leuten berichtet wurde dazu noch eine bezaubernd schöne. Sie liegt direkt am Meer und nur einen Katzensprung von Amsterdam entfernt. Das historische Zentrum ist weitläufig und von putzigen Kanälen durchzogen.

Das Foto rechts ist vom Herengracht, der Straße die, zumindest für die Anfangszeit, mein Zuhause sein wird. Ich werde mich, dank der lieben Unterstützung von einer Freundin, dort in einem internationalen Haus einquartieren. Das Studium starten am ersten September, was bedeutet, dass ich in Deutschland nur etwa drei Wochen verweilen kann. Aber ich werd ja dann mal zumindest mein Dasein in der gleichen Zeitzone fristen. Da sollte es schon einfacher sein in den Feiertagen die Heimat anzusteuern… oder einfach euch bei mir Willkommen zu heißen. Solange werde ich noch ausgiebig das Land der aufgehenden Sonne mit der Gewissheit genießen, dass die nächsten zwei Jahre in trockenen Tüchern sind.

Noch etwas anderes, dass ich gerne loswerden würde. Während ich diesen Eintrag verfasst habe, hat mich eine sehr traurige Nachricht aus Deutschland erreicht. Ich möchte daher diesem sehr lieben Menschen sagen, dass ich in Gedanken bei Dir bin und Dir viel Kraft wünschen will um diese schreckliche Zeit durchzustehen. Es erinnert mich schmerzlich daran, dass man Vieles in seinem Leben als zu selbstverständlich hinnimmt und nach immer noch mehr strebt, ohne dabei mal Inne zu halten um sich bewusst zu werden, was einem eigentlich wirklich was bedeutet!

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