Fuji-san (富士山)

Das bergige Innenland von Japan hat einen König. Fuji-san, den höchsten Berg des Landes, oder sagen wir besser, Vulkan, welcher die japanische Kultur über alle Epochen hinweg beeinflusst hat. Heutzutage ist er ein beliebtes Ziel für Wanderer und Kletterer und dem Ruf des Vulkans sind neben mir auch 7 meiner Kollegen verfallen.

Soviel vorweg, der 3 Tage-Trip war eines, wenn nicht sogar das Highlight meiner vier Monate in Japan. Die Reise ging los mit einer Fahrt zur 5ten Talstation, die für die meisten Wanderer als Ausgangspunkt dient. Von dort aus begann der zweitätige Aufstieg zum 3776 m hohen Gipfel. Unsere Füße führten uns zu Beginn durch kleine Wälder am Fuß des Vulkans, bis etwa ab 2500 m die üppige Vegetation Sträuchern und verschiedenfarbigem Vulkansand wich. Mal schwarz, mal rot, mal weiß und mal braun färbt ich die Landschaft bis wir nach Sonnenuntergang, und nach einem kurzen Regenschauer in der 3000 m hoch gelegenen Bergstation eintreffen, die unser Nachtlager sein wird. Sichtlich erschöpft freuten wir uns auf ein Abendessen, das jedoch abrupt unterbrochen wurde von einem heftigen Gewitter. Licht aus, Generatoren abschalten und das Essen wegpacken. Wir mussten auch noch einige Wanderer aufnehmen die sich kurz vor dem Gewitter zu unserer Bergstation vorgearbeitet hatten. Der leere Magen und die nasse Kleidung wurden aber mit einem atemberaubenden Blick belohnt, als der Himmel nach dem Gewitter den Mondschein freigibt. Nach der Wiederholung des Abendessens und einer kurzen Nacht konnten wir den wunderschönen Sonnenaufgang bei perfektem Wetter von der Bergstation aus genießen bevor der zweite Teil des Aufstiegs begann. Die Schritte wurden aufgrund der dünnen Luft nun immer kleiner und in den Pausen wusste man die revitalisierende Wirkung der Sauerstoffflasche zu schätzen. Am Nachmittag erreichten wir gut gelaunt den noch von Eis gesäumten Kraterrand am Gipfel, auf dessen anderer Seite eine Wetterstation den höchsten Punkt markiert. 3776 Meter, gut 800 Meter höher als das Dach Deutschlands, die Zugspitze.

Nach einer stärkenden Mahlzeit in gut gelaunter Atmosphäre aufgrund des erfolgreichen Aufstiegs und nach vielen Fotos begann der Abstieg über eine Strecke, die aufgrund ihres lockeren Vulkansandes zum semi-profesionellen Skifahren mit Wanderschuhen einlud. Nach einigen Stunden Tortur für die Oberschenkel war der Abstieg geschafft und auf uns wartete ein kühles Bier, ein Bad im Hot-Spring, frische Klamotten und eine üppige Mahlzeit im Hotel Fountaine Bleau nahe des Yamanaka See.

Bevor wir die Heimreise angetreten sind, ging’s auf einen Abstechen an den Yamanaka See mit einem Besuch einer Glasbläserei, wo sich jeder noch in einer selbst gemachten Glasperle verewigen konnte.

Mit den atemberaubenden Bildern noch vor Augen und der Gewissheit, dass dieser außergewöhnliche Trip das Ende meines Aufenthaltes in Japan darstellt, sitze ich gefühlsmäßig zweigeteilt im Auto auf dem Weg zurück nach Kobe. Meine Kollegen haben dort einige Tage später noch einen sehr bezaubernden Abschiedsabend für mich vorbereitet, was es mal wieder nicht einfach gemacht hat zu all den lieben Menschen “good bye” zu sagen. Aber ich bin guter Dinge, dass aus diesem “good bye” irgendwann wieder ein warmes “Willkommen” wird.

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