und weiter geht’s… nach Leiden!

Deutschland wird mich wohl weiterhin nur in homöopathischen Dosen abbekommen. Der nächste große Wurf ist gelungen. Die Leiden Universität in den Niederlanden hat meine Bewerbung für gut befunden und mich in ein zweijähriges Master Studium aufgenommen, dass den schönen Namen “Bio-Pharmaceutical Sciences” trägt. Die Uni wurde 1575 gegründet und ist somit die Älteste in den Niederlanden und wurde zudem von mehreren Agenturen unter die Top 80 Unis weltweit gewählt. Sogar mein Ulmer Buddy Albert Einstein gehörte zu dieser Universität. Sie beheimatet in neun Fakultäten und 50 Instituten etwa 20 000 Studenten, was ungefähr 1/5 der Gesamtbevölkerung von Leiden ausmacht. Es ist also durch und durch eine Studentenstadt und wie mir von mehreren Leuten berichtet wurde dazu noch eine bezaubernd schöne. Sie liegt direkt am Meer und nur einen Katzensprung von Amsterdam entfernt. Das historische Zentrum ist weitläufig und von putzigen Kanälen durchzogen.

Das Foto rechts ist vom Herengracht, der Straße die, zumindest für die Anfangszeit, mein Zuhause sein wird. Ich werde mich, dank der lieben Unterstützung von einer Freundin, dort in einem internationalen Haus einquartieren. Das Studium starten am ersten September, was bedeutet, dass ich in Deutschland nur etwa drei Wochen verweilen kann. Aber ich werd ja dann mal zumindest mein Dasein in der gleichen Zeitzone fristen. Da sollte es schon einfacher sein in den Feiertagen die Heimat anzusteuern… oder einfach euch bei mir Willkommen zu heißen. Solange werde ich noch ausgiebig das Land der aufgehenden Sonne mit der Gewissheit genießen, dass die nächsten zwei Jahre in trockenen Tüchern sind.

Noch etwas anderes, dass ich gerne loswerden würde. Während ich diesen Eintrag verfasst habe, hat mich eine sehr traurige Nachricht aus Deutschland erreicht. Ich möchte daher diesem sehr lieben Menschen sagen, dass ich in Gedanken bei Dir bin und Dir viel Kraft wünschen will um diese schreckliche Zeit durchzustehen. Es erinnert mich schmerzlich daran, dass man Vieles in seinem Leben als zu selbstverständlich hinnimmt und nach immer noch mehr strebt, ohne dabei mal Inne zu halten um sich bewusst zu werden, was einem eigentlich wirklich was bedeutet!

… und schon bin ich da

Auf dem Flug von Helsinki nach Osaka hatte ich einen dieser seltenen “Was-zur-Hölle-mach-ich-hier-eigentlich-gerade?” Momente. Ich fliege 10 000 km weit in ein Land, dessen Sprache ich sowas von gar nicht kann, dessen Schrift mir genau soviel Informationen liefert wie Richter-Shows im Nachmittagsprogramm, dessen Kultur ich nicht kenne und ich daher sicher alle da für Irre halte und das Ganze nicht nur mal so für nen kurzen Urlaub, nein, für 4 Monate, um da zu leben! Nach diesem 5 minütigen Dialog mit mir selber hat mich auch schon wieder der etwas ergraute Japaner auf dem Sitz neben mir in ein Gespräch verwickelt. Er war mal für eine Weile in Berlin und versuchte mit nicht enden wollender Energie, deutsche Worte zu Sätzen zu formen. Somit waren wir nach einer quasi kurzen Unterhaltung auch schon in Osaka gelandet, am Kansai Airport im Süden der Bucht, in der 20 Millionen Menschen leben.

Ich hatte jetzt zwei wichtige Ziele. Ein Ticket zu lösen um nach Kobe im Norden der Bucht zu kommen und mit den japanischen Telefonzellen Nishikawa-san zu erreichen, damit er weiß, wann ich dort ankommen werde. Beides gelang überraschend einfach. Nach einer herrlichen eineinhalb stündigen Fahrt durch die nicht enden wollende Stadt entlang des Küstenstreifens erwartete mich Nishikawa-san (mein Personalmanager) und brachte mich zu meinem Hotel in Sannomiya. Was ich gar nicht wusste: die haben in Japan ja Linksverkehr. Gut, dass ich hier nicht autofahren muss :) .

Nishikawa-san nahm mich dann gleich mit zum Sushi und Sashimi essen. Ich hatte ja schon öfters Sushi, vor allem im absolut genialen Bluu in Danbury, aber das hier toppt alles! Mein Personaler zeigte mir dann noch ausgiebig die Stadt und nach einem langen Tag, fiel ich ziemlich platt in mein Bett. Muss ja schließlich morgen schon zum Arbeiten.

Jedoch noch etwas vorweg. Was mir ja schon bekannt war: die Toiletten in Japan würden sich auch gut als Kulisse auf dem Raumschiff Enterprise machen. Wie man auf dem Bild unten sieht gibt’s da ne ganze Reihe an Knöpfen, die Kloblrille klappt sich beim davor stehen automatisch hoch, und der Sitz ist sogar beheizt. Am… naja, sagen wir mal “interessantesten” ist der SPRAY Knopf… wenn man den drückt, löst ein Wasserstrahl erst einen entsetzten Blick und dann einen mindestens 15 minütigen Lachkrampf aus :) . Ab sofort sieht mein Gesicht beim drücken dieses Knopfes wahrscheinlich so aus wie das eines Kindes, wenn es darauf wartet, dass der gerade angezündete China-Böller explodiert. Es gibt auch für die weibliche Fraktion einen BIDET-Knopf… den jedoch als Man aus Versehen zu drücken wird bestraft und mein Gesichtsausdruck möcht ich daher erst gar nicht versuchen zu beschreiben ;) .

“So gut wie keinen Jetlag. Find ich top!” Mein erster Gedanke als mein iPhone mich zum arbeiten ruft. Sachen gepackt, einen heißen Kaffee in der Dose aus den unzähligen Automaten in der Stadt gezogen und ab mit der Magnetschwebebahn auf die künstliche Insel “Port-Island”. Mit mir füllen die Bahn lauter Jugendlicher (vom Alter her so kurz vorm Abitur) mit piekfeinen Anzügen. Diese “Salaryman” (Leute die in irgendeiner Form mit Geld arbeiten) sind ein genau so komisches Phänomen wie die dazugehörige pseudoamerikanische Wortschöpfung. Ich komm mir vor wie auf einer Beerdigung.

Suzuki-san, meine Laborleiterin, nimmt mich herzlichst in Empfang und stellt mich auf dem morgentlichen Meeting allen Leuten der Abteilung vor. Ich dachte ja bis jetzt, dass die Ami’s scheiße freundlich sind, aber screw that! Die Japaner sind die Kings im freundlich sein! Wie wenn man dafür extra ein Schulfach eingeführt hätte. Ich fühle mich hier pudelwohl und wohlumsorgt. Natürlich ist das Ganze auch damit verbunden, dass von einem Arbeiter in Japan sehr viel Einsatz verlangt wird. Meine Aufgabe für heute. Wissenschaftliche Arbeiten lesen um ins Thema zu kommen und meinen Laborarbeitsplatz und Schreibtisch einrichten. Von meinem Computer aus kann ich sogar aufs Pazifikwasser in der Bucht sehen.

Was sich momentan noch etwas schwer gestaltet ist das Einkaufen. In den Läden ist nicht viel zweisprachig ausgezeichnet und daher kaufe ich nach dem Motto “gekauft wie gesehen”. Bis jetzt funktioniert’s ;) . Für die Kommunikation sind meine wichtigsten Sätze (und so ziemlich die einzigen die ich flüssig über meine Lippen kriege), すみません日本語輪できません。エ以後が反汗間すか。”Entschuldigung, ich spreche kein Japanisch. Können Sie Englisch?”

Und wir sind raus!

… im positiven Sinne.

Nach 3,5 Jahren harter (und manchmal sehr entspannter) Studienzeit haben wir es vollbracht. Das Pilotsemester des Studiengangs PBT ist raus… mit Abschluss! 33 Bachelor Absolventen machen sich auf, die große Welt der Biotechnologie unsicher zu machen. Wenn sie dann alle da draußen sind, werd ich viele von ihnen jedoch sehr vermissen. Ein paar weise Jungs schrieben einst: “Manchem schweren Abschied folgt ein herzlicher Empfang.” Und so wünsch ich all meinen treuen Wegbegleitern das Allerbeste, sei es bei der beruflichen Karriere, beim Masterstudium oder beim halben Jahr “Kopf-frei-machen” bevor es weiter geht.

Ich würde mich mal zur letzteren Gruppe zählen, denn ab April werde ich mich für vier Monate mal auf der anderen Seite der Erde umsehn. Diesmal flieg ich jedoch nicht mit, sondern gegen die Sonne… bis zu dem Punkt wo sie aufgeht: Japan, dem Land der aufgehenden Sonne. Aus Biberach sind in meinem Gepäck viele Erinnerungen und gute Freundschaften.

Man sieht sich immer zweimal im Leben!

at work

Nach einem sehr gechillten Wochenende, war ich schon ganz heiß aufs Arbeiten. Heute war mein zweiter Tag und ich hab jetzt mein Arbeitsplatz gekriegt. Mit super Aussicht!! Der Campus hier ist ziemlich groß, und die Gebäude (4 große Gebäudekomplexe) sind weit verstreut. Man parkt auch nicht außerhalb, wie in D, sonder jeweils vor dem Gebäude. Somit gibts richtige Straßen, Kreuzungen und Schilder dort. Die Campus-Security blitzt sogar hin und wieder mal wie ich mir sagen lassen hab. Es fahren auch Shuttle-Busse zwischen den Gebäuden. Es gibt einen Jogging und Walking-Weg der quer über den Campus geht und hin und wieder in den Wald eintaucht. (Sind schon viele dort unterwegs in der Mittagspause). Man kann dort Fahrräder anmieten und es gibt ein großes Gym, dass jeder nutzen kann, und sogar einen Bankautomaten! Es ist also wie ne kleine Stadt.

Ich bin im Research and Development 7 Gebäude im 5ten Stock. RND ist der größte Komplex, und ich hab mich schon verdammt oft verlaufen. Glücklicherweise haben die überall Wegweiser (sehr wichtig!!!)

Hatte heute mein erstes Team-Meeting und hab überhaupt nicht gerafft von was die alle geredet haben! Nur Abkürzungen und Fachsimpeleien. Das Interessanteste war aber, dass mein Team aus 3 Chinesen, 1 Japaner, 1 Inder (Teamleader), 1 Farbiger, 3 weiße Amerikaner und 1 Deutscher (Ich) besteht… die verschiedenen Dialekte sind echt witzig ;)

Mein Betreuer Xiao-Mai, der entgegen meiner Annahme doch ein Mann ist, wird von allen nur Joe genannt (…so sind se halt die Amis :D ). Das Team versucht übrigens mittels des Phage-Display Verfahrens Antikörper ohne den Gebrauch von Hybridomas in vitro in E. coli herzustellen. Ein sehr zukunftsträchtiges Forschungsgebiet wie mir oft versichert wurde.

Ich halt euch auf dem Laufenden und freu mich auf eure Kommentare!! =)

…in NY angekommen

So… nach einem eigentlich langen 10-Stunden Flug, den ne nette Italienerin auf gefühlt die Hälfte reduziert hat, bin ich gut in NY angekommen. Mein übergewichtiger farbiger Limo-Fahrer mit lustigem Slang hat mich sicher durch NYC nach Pound Ridge gebracht und meine Gastfamilie hat mich herzlich empfangen =) wir sind an dem Abend gleich noch lecker zu nem Diner und dannach zu Cold-Stones, einer Eisdiele, die aussieht wie ein quietschbunter McDonald’s und bei Trinkgeld singt die Kassiererin nen kleinen Jingle *sehr lustige Idee*

Mein Auto hab ich gleich am nächsten Morgen abgeholt und abends war ich mit der Familie im Kino in “Knowing”… und die kippen doch tatsächlich Tonnen geschmolzene Butter über ihre Popcorn *disgusting*… der Film war aber sehr geil und die Amis gehn in dem Kino ja ab, da denkt man, man spielt mit!!

Hier noch n paar Bilder vom Auto und Haus…

… eine Video-Tour durch die WG kommt bald… Wir sind innen noch bissle am Möbel umräumen

und ich hab jetzt die Handynummer aktualisiert!

my life in suitcases

Irgendwie bin ich erstaunt! Es passt alles in zwei Koffer… dabei hab ich nicht einmal wenig Zeugs. Zumindest hab ich das bis jetzt gedacht. Es wäre sogar noch etwas Platz, falls also noch jemand mit will… ;)

Je mehr Shirts und Socken in den knallgelben Koffern landen, je mehr kommt bei mir auch die Erkenntnis, was ich hier eigentlich vor habe, und auch das Kribbeln kommt. Jedoch überwiegt die Vorfreude und ich bin viel entspannter als ich mir das immer vorgestellt hab.

Der Flug geht übermorgen um 11.40 Uhr und nachdem ich 3 Stunden vorher einchecken muss, wird mir der Flughafen in München sicher besser in Erinnerung bleiben als so manche Vorlesung mit 8 Wochenstunden =)

Bin gespannt was auf der anderen Seite des Atlantik auf mich wartet!

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Tadaaa….Grand Opening!

Hi Leute,

Heute startet mein Blog über meinen Auslandsaufenthalt in den USA. Ich schreib hier mein Online-Tagebuch für alle Daheimgebliebenen und anderen Weltreisenden, die wissen wollen, was denn bei mir auf der anderen Seite des Teichs so los ist. Hier gibts immer wieder Neuigkeiten, Bilder und Videos für euch. Ihr könnt auch zu jedem Artikel einen eigenen Kommentar schreiben und so das Ganze schön interaktiv machen. Über Mails freu ich mich natürlich auch jederzeit: –>daniel.weinbuch@googlemail.com

…am 19ten ist Abflug =)

Dann viel Spaß beim Lesen!

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